Therwil-Turnier Damen 1
Direkt nach unserem Kommunikationsworkshop ging es am Samstagnachmittag weiter nach Therwil. Dort wartete der sportliche Teil unseres langen Teamtages auf uns: das Vorbereitungsturnier in Therwil.
Ursprünglich hatten wir dafür nur ein Team angemeldet. Doch je näher der Termin rückte, desto mehr Spielerinnen konnten sich den Samstag freihalten – vermutlich half dabei auch, dass sich mit Kommunikationsworkshop und Turnier gleich zwei Teamtermine wunderbar an einem Tag verbinden liessen. Gerade mit Familie und einem ohnehin gut gefüllten Kalender durchaus praktisch. 😉
Damit standen wir plötzlich vor einem kleinen Luxusproblem: Mit nur einer Mannschaft hätten einige Spielerinnen kaum Einsatzzeit bekommen. Und genau das wollten wir bei einem Vorbereitungsturnier eigentlich nicht. Schliesslich geht es vor Saisonbeginn darum, viel zu spielen, Dinge auszuprobieren und möglichst jeder Spielerin Spielzeit zu ermöglichen – in diesem Jahr umso mehr, weil wir unser Spielsystem etwas umstellen und gleichzeitig unsere neuen Spielerinnen Sandy, Veronika und Sunny integrieren möchten.
Also kam knapp zwei Wochen vorher die Idee auf: Warum nicht noch ein zweites Team nachmelden?
Ganz selbstverständlich war diese Entscheidung nicht. Zwei Mannschaften bedeuten schliesslich auch eine Aufteilung – und damit unweigerlich die Frage, wer in welchem Team spielt. Bevor wir nachmeldeten, wurde deshalb noch einmal ausdrücklich im Team nachgefragt, ob wirklich alle kommen und ob die Lösung mit zwei Mannschaften für alle stimmt. Es gab keinen Widerspruch, dafür viel Zuspruch – also meldeten wir Team Nummer zwei nach.
Und dann kam wenige Tage vor dem Turnier doch noch ordentlich Bewegung in unsere schöne Planung.
Irene musste wegen ihrer Schulterverletzung kurzfristig als Spielerin passen. Sie kam trotzdem mit nach Therwil und unterstützte uns als Coach – bei zwei parallel spielenden Teams sollte sich das noch als ausgesprochen wertvoll erweisen. Zusätzlich erreichte uns eine weitere kurzfristige Absage.
Besonders ungünstig: Beide Ausfälle betrafen dieselbe Position. Damit fehlten uns plötzlich zwei Mittelblockerinnen – bei zwei bereits fest angemeldeten Mannschaften.
Was nun?
Es folgte eine ziemlich spontane Suchaktion. Spielerinnen und Trainerin aktivierten Kontakte, fragten ehemalige Mitspielerinnen, Bekannte und sogar bei Spielerinnen anderer Teams nach, die nicht selbst in Therwil im Einsatz waren. Das Ergebnis war zunächst ziemlich einheitlich: Ferien, Familienausflug, bereits verplant – knapp vor einem Turnier an einem Samstag nicht ganz überraschend.
Umso grösser war unsere Freude, dass wir schliesslich doch noch Verstärkung fanden: Gabriela, die uns als Gastspielerin bereits bestens kennt, konnte eigentlich ebenfalls nicht. Für uns stellte sie jedoch ihr Samstagsprogramm um und schaffte es, ab unserem zweiten Spiel dabei zu sein. Das war alles andere als selbstverständlich und hat uns wirklich geholfen. Vielen lieben Dank, Gabriela! ❤️
Auch der Turnierleitung gebührt ein grosses Dankeschön. Sie hatte bereits bei der Planung auf unseren Kommunikationsworkshop Rücksicht genommen, uns einen späteren Start ermöglicht und unsere beiden Mannschaften in unterschiedliche Staffeln eingeteilt.
Nach Workshop, Frühstück und der kurzfristigen Suche nach Ersatz kamen wir also tatsächlich mit zwei vollständigen Mannschaften in Therwil an. Team A und Team B – und los ging's.
Die Teams unterschieden sich vor allem, dass wir bei dem einen Team konstant mit Jeanine als Libera spielen konnten und das andere Team musste mehrheitlich ohne Jeanine auskommen.
Für das Team ohne feste Libera bedeutete der Nachmittag daher einiges an Flexibilität. Thea und Veronika waren auf unterschiedlichen Positionen gefragt, und wenn das andere Team gerade Pause hatte, konnten wir uns zeitweise mit Jeanine verstärken. Im nächsten Spiel sah die Aufstellung dann schon wieder anders aus. Mental gar nicht so einfach: Gerade hatte man sich an ein System und seine Position gewöhnt – und schon hiess es wieder umdenken.
Eine weitere Herausforderung gab es auf der Seitenlinie: Auch Marianne als Trainerin kann sich leider noch nicht zweiteilen. 😉 Wenn beide Teams gleichzeitig spielten, war Marianne meistens bei der Mannschaft ohne feste Libera, bei der durch die wechselnden Konstellationen etwas mehr Unterstützung gefragt war.
Zum Glück hatten wir dafür Irene, die wegen ihrer Schulter zwar selbst nicht spielen konnte, uns aber trotzdem nach Therwil begleitete und beim anderen Team das Coaching übernahm. So musste dort zwar manches etwas eigenständiger organisiert und gelöst werden – gerade mit neuem System und neuen Konstellationen –, aber ganz ohne Unterstützung von der Seitenlinie war natürlich niemand. Danke Irene, dass Du trotz Verletzung dabei warst und kurzerhand eine neue Aufgabe übernommen hast! ❤️
Und zum Glück gab es im Turnierverlauf auch Spiele, bei denen unsere beiden Mannschaften nicht gleichzeitig im Einsatz waren. Dann konnte Marianne wieder beim jeweils spielenden Team dabei sein und wir mussten unser Trainerinnenproblem nicht ganz so kreativ lösen. 😉
Genau solche Situationen machten den Nachmittag für uns aber wertvoll. Wir wollten spielen, ausprobieren und lernen – und davon bekamen wir reichlich.
Unser verändertes System konnte erstmals über viele Sätze hinweg unter Wettkampfbedingungen getestet werden. Natürlich funktionierte noch nicht alles. Gerade die teilweise veränderte Position unserer Libera führte beispielsweise zu einigen Abstimmungsfehlern. Aber lieber jetzt herausfinden, wo es noch hakt, als im ersten Saisonspiel.
Auch unsere neuen Spielerinnen Sandy, Veronika und Sunny wollten wir möglichst gut integrieren. Deshalb wechselten sie teilweise auch zwischen den beiden Mannschaften. So standen sie nicht den ganzen Nachmittag in derselben Konstellation auf dem Feld, sondern konnten mit unterschiedlichen Mitspielerinnen zusammenspielen und möglichst viele Erfahrungen sammeln.
Und plötzlich ging es sogar um den Turniersieg
Die Resultate standen bei all dem für uns eigentlich nicht an erster Stelle. Umso schöner war, dass dabei richtig gute Ballwechsel, spannende Spiele und einige Siege herausschauten.
Für unser Team ohne feste Libera ging es schliesslich um Platz 5. Das Platzierungsspiel ging knapp verloren und damit wurde es am Ende Rang 6 von neun Teams.
Unser anderes Team schaffte es sogar bis ins Spiel um Platz 1 – und dort wartete mit Therwil eine Mannschaft aus der 2. Liga.
Und dann staunten wir durchaus selbst ein wenig: Im ersten Satz spielten wir richtig stark und konnten ihn tatsächlich für uns entscheiden. Wow! Im zweiten Satz bekamen wir dann – nur wenige Stunden nach unserem Kommunikationsworkshop – noch eine kleine praktische Lektion zum Thema Kommunikation. Die Traineranweisung lautete, unseren neuen Spielerinnen bewusst mehr Pässe zu geben, damit auch sie möglichst viel ausprobieren können. Auf dem Feld kam die Botschaft offenbar ein klein wenig anders an: Plötzlich gingen gefühlt fast alle Pässe zu unseren Neuen und die übrigen Angreiferinnen hatten unerwartet ziemlich wenig zu tun. Das Missverständnis wurde erkannt und geklärt – nur leider etwas spät. Der zweite Satz ging an Therwil und der Tie-Break musste entscheiden.Dort gerieten wir zunächst deutlich in Rückstand, kämpften uns aber noch einmal Punkt für Punkt heran. Ganz reichte es nicht: 13:15 – denkbar knapp.
Damit wurde es Platz 2.
Und gerade dieses letzte Spiel war für uns eine schöne Standortbestimmung: Mit verändertem System, neuen Spielerinnen und Abläufen, die noch längst nicht alle selbstverständlich funktionieren, konnten wir gegen eine Mannschaft aus der höheren Liga nicht nur mithalten, sondern einen Satz gewinnen und den Tie-Break bis zum Schluss offenhalten.
Ein ernster Moment
Leider wurde der sportlich schöne Nachmittag durch einen heftigen Unfall in einem anderen Spiel überschattet. Bei einer Abwehraktion kollidierten zwei Spielerinnen von City Volley Basel miteinander. Eine der beiden blieb anschliessend längere Zeit bewusstlos liegen und musste nach der Versorgung vor Ort mit der Ambulanz abtransportiert werden.
Auch wenn wir den eigentlichen Zusammenstoss selbst nicht gesehen hatten, hat die Situation viele von uns sehr beschäftigt. Verletzungen gehören leider zum Sport und Knie, Schulter oder Bänderverletzungen haben viele von uns schon erlebt – eine solche Situation war aber auch für langjährige Volleyballerinnen etwas völlig anderes.
Wir wünschen der betroffenen Spielerin von Herzen gute und vollständige Genesung und hoffen, dass es ihr inzwischen wieder besser geht. Auch ihrer bei der Kollision ebenfalls verletzten Mitspielerin wünschen wir gute Besserung. ❤️
Platz 2 und 6 – und viel wichtiger: jede Menge Spielpraxis
Am Ende standen für unsere beiden Teams Rang 2 und Rang 6 von neun Mannschaften. Zwei schöne Platzierungen – aber eigentlich war etwas anderes für uns entscheidender.
Wir wollten möglichst vielen Spielerinnen viel Spielzeit geben. Wir wollten unser neues System nicht nur im Training, sondern unter echten Spielbedingungen testen. Unsere neuen Spielerinnen sollten mit unterschiedlichen Mitspielerinnen auf dem Feld stehen. Und wir wollten herausfinden, was bereits funktioniert und wo wir vor Saisonbeginn noch nacharbeiten müssen.
Genau das haben wir bekommen.
Dass danach gleich mehrere Spielerinnen zurückmeldeten, wie viel Spass ihnen der Nachmittag gemacht hatte, war vielleicht das schönste Ergebnis des Turniers. Denn trotz Improvisation, Positionswechseln, Abstimmungsfehlern und einem ziemlich langen Tag hatten wir gemeinsam richtig viel Volleyball gespielt.
Zufrieden? Jawohl.
Und bis zum Saisonstart haben wir jetzt nicht nur zwei Platzierungen im Gepäck, sondern vor allem ziemlich konkrete Ideen, woran wir in den nächsten Trainings noch arbeiten wollen.